Mit dem Gravelbike durch die Schweiz zu reisen, ist nichts Neues
Lange bevor das Wort Gravel zum Trend wurde, begrüssten die Strassen der Schweiz bereits die ersten Abenteuerlustigen auf dem Velo. In den 1890er-Jahren, als das Fahrrad für immer mehr Menschen zugänglich wurde, machten sich junge Reisende auf den Weg – oft über unbefestigte Wege – durch Täler, Pässe und Dörfer.
Im Jahr 1896 war die Schweiz noch ein Land aus Kiesstrassen, Alpwegen und notdürftig gepflasterten Strassen. Die damaligen Velos, einfach, aber robust, führten ihre Besitzer in Landschaften, die noch unberührt vom Massentourismus waren. Veloreisen waren nicht nur Freizeitvergnügen: Es war ein echtes Abenteuer, geprägt von langen Anstiegen, holprigen Abfahrten und unerwarteten Begegnungen.
Diese Pioniere des Velotourismus trugen bereits den Geist in sich, der auch heute noch die Gravel-Ausfahrten prägt: Neugier, Freude an der Anstrengung und der Wunsch, in völliger Freiheit zu entdecken. Berichte und Illustrationen aus jener Zeit zeugen von einer ungebrochenen Begeisterung für das langsame Entdecken – im Rhythmus der Pedale – in einer grandiosen Kulisse.

Die ersten Velovereine in der Schweiz
Mit dem Aufschwung des Fahrrads Ende des 19. Jahrhunderts verspürten die Zweirad-Begeisterten bald das Bedürfnis, sich zusammenzuschliessen. In der Schweiz entstanden bereits in den 1890er-Jahren zahlreiche lokale Veloclubs, die Ausfahrten und freundschaftliche Wettkämpfe organisierten und sich für bessere Strasseninfrastrukturen einsetzten.

Im Jahr 1896 wurde in Genf der Touring Club Schweiz (TCS) gegründet. Damals stand nicht das Automobil im Mittelpunkt seiner Mitglieder, sondern das Velo. Der Verein setzte sich zum Ziel, den Velotourismus zu fördern, die Interessen der Velofahrenden zu verteidigen und Reisen im ganzen Land zu erleichtern. Der TCS begann bald damit, Karten und Reiseführer für Velotouristen herauszugeben und trug so dazu bei, die Praxis zu strukturieren und zugänglicher zu machen.
Diese Initiativen zeigen, wie tief die Velokultur in der Schweiz bereits verwurzelt war. Lange vor dem goldenen Zeitalter des Automobils stand das Fahrrad für Freiheit, Entdeckung und eine neue Art, das Land zu bereisen. Clubs und Vereine spielten eine zentrale Rolle bei der Verbreitung dieser Leidenschaft, indem sie ein echtes Solidaritätsnetz unter Velofahrenden schufen.





Anekdote: Die ersten Velokarten des TCS
Von Anfang an erkannte der Touring Club Schweiz, dass Reisen mit dem Velo mehr erforderte als Robustheit und Ausdauer: ebenso wichtig waren gute Orientierungshilfen. Bereits 1897, kaum ein Jahr nach seiner Gründung, veröffentlichte der TCS seine ersten speziell für Velofahrende konzipierten Karten.
Im Gegensatz zu den damaligen Militär- oder Eisenbahnkarten stellten diese den tatsächlichen Zustand der Strassen dar: Pflasterwege, Kiespisten, fahrbare Strassen… Das Ziel war klar: den Reisenden zu helfen, ihre Route je nach Velo und Fähigkeiten zu wählen. Diese Karten wurden schnell zu einem unverzichtbaren Begleiter für die ersten Schweizer «Gravelisten», die so ihre Fahrten über die eigene Region hinaus planen konnten.

Diese Publikationen zeugen nicht nur vom Elan des TCS, sondern auch von einem Pioniergeist, der den Velotourismus demokratisieren wollte. Sie kündigten bereits den Abenteuer- und Freiheitsgeist an, der sich heute in Gravel-Reisen wiederfindet.

Heute, wenn wir mit unseren modernen Velos die Schweizer Wege befahren, knüpfen wir an dieses Erbe an. Jede Gravel-Ausfahrt ist nicht nur eine sportliche Herausforderung: Sie ist auch ein Augenzwinkern an jene ersten Reisenden, die schon vor über hundert Jahren begriffen hatten, dass in der Schweiz das Abenteuer dort beginnt, wo die Strasse aufhört.
Farbenfrohe Geschichten
Entdecken Sie die faszinierende Geschichte der ersten Bikepacking-Begeisterten in der Schweiz.





Ein Fenster in die Vergangenheit
Heute erscheint es uns selbstverständlich, das Velo zu nehmen und ins Abenteuer zu starten. Doch bei seinem ersten Aufkommen war das keineswegs so einfach.






